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Welche Gefahren von Röteln ausgehen können, verdeutlicht Professor Berthold Koletzko von der Universitätskinderklinik München anhand einer Rötelnepidemie vor fünf Jahren in den Niederlanden.
Betroffen waren dort fast ausschließlich Mitglieder einer protestantischen Gemeinde, die Impfungen generell ablehnen. Zwischen September 2004 und Juli 2005 traten 387 Rötelnfälle auf, davon 98 Prozent bei ungeimpften Personen. Angesteckt wurden dabei auch 32 nicht-geimpfte Schwangere. Die Folgen: Zwei Babys kamen tot zur Welt. Von den 30 lebend geborenen Kindern kamen elf mit einer vorgeburtlichen Schädigung aufgrund einer Rötelninfektion der Mutter in der Schwangerschaft (Röteln-Embryopathie) zur Welt.
Alle elf Babys waren taub, sechs wiesen bei der Geburt Herzfehler auf, drei Kinder hatten eine sogenannte Mikrozephalie - eine angeborene Kleinheit des Gehirns. Bei sechs der elf Kinder wurde im weiteren Verlauf eine deutliche Verzögerung der Entwicklung registriert, berichtet der Vorsitzende der Stiftung Kindergesundheit. „Mögliche Folgen von Röteln für ein ungeborenes Kind sind Hirnschäden und geistige Behinderungen, Blindheit, Taubheit, Herzfehler, Leberentzündungen und Knochenveränderungen", warnt Koletzko.
Mit Impfungen sind solche Schäden zuverlässig vermeidbar. Voraussetzung dazu ist allerdings, dass schon kleine Kinder konsequent geimpft werden, damit sie nicht ungeschützte Schwangere anstecken können. Die sonst harmlosen Viren können dabei in den heranreifenden Organen große Schäden anrichten. Das Tückische: Jede zweite Infektion mit Röteln verläuft ohne Ausschlag oder sogar ganz ohne Symptome. Werdende Mütter wissen daher oft nicht, dass sie angesteckt worden sind.
Das Risiko einer Schädigung des Kindes im Mutterleib liegt im ersten Schwangerschaftsmonat bei 60 Prozent, im zweiten Monat bei 25 Prozent und im dritten Monat bei 15 Prozent. Nach dem vierten Monat ist die Entwicklung der Organe im Wesentlichen abgeschlossen, gravierende Schäden sind dann nicht mehr zu erwarten.
Durch Impfkampagnen ist der Anteil der Frauen, die im fruchtbaren Alter keine Antikörper gegen Rötelnviren im Blut haben, von etwa zwölf Prozent vor 30 Jahren auf zwei bis drei Prozent gesunken. Damit ist auch das Risiko für Röteln-Embryopathien kleiner geworden: In den letzten Jahren wurden nur noch sporadische Fälle in Deutschland gemeldet, drei betroffene Kinder im Jahr 2004, je ein Fall in den Jahren 2001, 2002, 2003, 2006 und 2008.
Allerdings geht das Robert Koch-Institut von einer erheblichen Untererfassung aus, weil nur erkennbar geschädigte Neugeborene gemeldet werden. Zudem gibt es auch heute noch viele Schwangerschaftsabbrüche wegen Röteln: Von den 114.484 Abbrüchen im Jahr 2008 in Deutschland sind 2.989 aus einer medizinischen Indikation vorgenommen worden. Darunter fallen auch die Abbrüche wegen Röteln-Embryopathie.
Quelle: Ärzte Zeitung, Februar 2010
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